Storchenpaare in Jettingen - "Rathaus-Störche" sind leider nicht umzugswillig

06.04.2022

Wegen der Dachsanierung am historischen Rathaus wurde dem Storchenpaar auf dem Marktplatz ein neues Zuhause errichtet. Leider zeigen sich diese wenig begeistert davon und bauen weiterhin an einem Nest an ihrem bisherigen Nistplatz auf dem Rathausdach, auch ohne die entsprechende Nisthilfe.

Das Storchenpaar auf dem historischen Jettinger Rathaus ist zweifellos ein Wahrzeichen des Marktes.  Für die Zeit, in der das Rathausdach saniert wird, wurde in Absprache mit dem Weißstorchexperten Anton Burnhauser und mit einer artenschutzrechtlichen Ausnahmegenehmigung der Regierung von Schwaben für die Umsiedlung der Störche ein neues Zuhause am Jettinger Marktplatz eingerichtet: Statt des Maibaums befindet sich dort nun ein zwölf Meter hoher Mast mit einem Storchennest.

Im Zuge der energetischen Sanierung des historischen Rathauses waren im vergangenen Jahr an verschiedenen Stellen im Dachstuhl erhebliche Schäden festgestellt worden. Teile des Gebälks müssen ausgetauscht und das Dach neu eingedeckt werden. Damit stellte sich die Frage, wie den Rathausstörchen dennoch eine Aufzucht ihrer Jungen ermöglicht werden kann, ohne dass sie von den Bauarbeiten gestört werden. In der Regel brüten Störche in der Zeit von März bis Juni. Die Brutdauer beträgt im Durchschnitt 32 Tage, die folgenden beiden Monate verbringen die Jungstörche ausschließlich im Nest. „Eine Dachsanierung und daneben das Storchennest, das würde nicht nur die Störche selbst, sondern vor allem die Aufzucht ihrer Jungen in Gefahr bringen“, betont Bürgermeister Böhm. Die Lösung, so waren sich alle Beteiligten einig,  bestand in einem adäquaten Angebot für einen  Nistplatz in entsprechender Höhe am Marktplatz, somit in geringer Entfernung und mit Blick zum Rathaus. 

Mitarbeiter des Bauhofs haben auf dem Marktplatz einen zwölf Meter hohen Mast mit einer Nisthilfe als Ersatznest für die "Rathaus-Störche" aufgestellt (2022-02). Bildnachweis: Christoph Böhm
Mitarbeiter des Bauhofs haben auf dem Marktplatz einen zwölf Meter hohen Mast mit einer Nisthilfe als Ersatznest für die "Rathaus-Störche" aufgestellt (2022-02). Bildnachweis: Christoph Böhm

Anfangs sollte eine Art Haube aus Metallstäben das bisherige Nest nicht mehr nutzbar machen und die beiden Störche zum Umzug in ihr neues Quartier bewegen. Stattdessen wichen diese aber an den Rand ihres Storchenhorstes aus und ließen sich nicht davon abbringen zu bleiben. Als einzige Möglichkeit verblieb, diesen durch Mitarbeiter des Bauhofs komplett abzubauen.

Der Storchenhorst auf dem historischen Rathaus musste abgebaut werden (2022-02). Anfang April wurde mit den Sanierungsmaßnahmen am Dach begonnen. Bildnachweis: Jürgen Schenker
Der Storchenhorst auf dem historischen Rathaus musste abgebaut werden (2022-02). Anfang April wurde mit den Sanierungsmaßnahmen am Dach begonnen. Bildnachweis: Jürgen Schenker

Das Rathaus-Storchenpaar zeigte sich jedoch nicht umzugswillig. Es fing stattdessen an, das Nest auf dem Rathaus-Kamin zu bauen. So blieb nichts anderes übrig, als erneut den Kranwagen zu bestellen und auf dem Kamin einen sog. "Abweiser" anzubringen, welcher die Störche davon abhalten soll, den Kamin mit ihrem Nistmaterial zu verstopfen.  Doch auch davon zeigte sich das Pärchen unbeeindruckt und baute auf dem Abweiser einfach weiter. 

Laut Storchenexperte Anton Burnhauser es ist mittlerweile wohl aussichtslos, diese alteingesessenen Störche von ihrem gewohnten Nistplatz auf dem Rathaus abzubringen. Sein Vorschlag  lautet nun, die Rathaus-Störche gewähren zu lassen: Wenn sie trotz der unvermeidlichen Bauarbeiten zu brüten beginnen und ihre Aufzucht schaffen, ist es umso erfreulicher.  Wenn dies nicht gelingt und z.B. die Brut aufgegeben wird, ist dies zwar sehr traurig, aber es wäre nicht anders, als wenn in den nächsten Wochen  immer wieder mit viel Aufwand das Nistmaterial entfernt würde. Fest steht jedenfalls, dass die Rathaus-Störche nirgendwo anders hingehen werden.

Nestbau auf dem Rathaus-Kamin trotz Abweiser (2022-04). Bildnachweis: Anton Burnhauser
Nestbau auf dem Rathaus-Kamin trotz Abweiser (2022-04). Bildnachweis: Anton Burnhauser

In die vorgesehene Bleibe am Marktplatz sind indes dankbar neue Bewohner eingezogen, so dass dort nun ein weiteres Storchenpaar klappert und vielleicht bald auch brütet. Jedenfalls ist diesem glücklichen Paar mehr Ruhe beschert und womöglich dürfen wir uns im Sommer über dortigen Nachwuchs freuen. 

Storchenpaar am Marktplatz (2022-05). Bildnachweis: Konrad Miller
Storchenpaar am Marktplatz (2022-05). Bildnachweis: Konrad Miller

Aber damit noch nicht genug: Zur allgemeinen Überraschung hat sich ein weiteres Storchenpaar den Strommast südwestlich vom Rathaus als neue Residenz ausgesucht und dort mit dem Nestbau begonnen. Um die Sicherheit der Störche zu gewährleisten, wurden die Stromleitungen vom Netzbetreiber LEW AG unmittelbar nach Bezug des Mastes isoliert, so dass die Tiere ausreichend geschützt sind. Somit können wir also auf zusätzlichen Nachwuchs in unmittelbarer Nähe  des Rathauses hoffen. Die Storch-Webcam wurde zwischenzeitlich auf dieses Nest ausgerichtet. Leider ist die Bildqualität aufgrund der Entfernung aber nur suboptimal.

Storchenpaar auf dem Strommast südwestlich des Rathauses (2022-04). Bildnachweis: Konrad Miller
Storchenpaar auf dem Strommast südwestlich des Rathauses (2022-04). Bildnachweis: Konrad Miller